Fließende Anfänge, Donauwellen und Radiohelden - die RUTH 2011

Anmerkungen von Petra Rieß

Was war das für ein Jahr! In Nordafrika fielen Diktatoren. Menschen, die wir gerne noch bei uns gehabt hätten mit ihren Filmen, Tänzen und Ideen, haben diesen Planeten verlassen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ist vorbei, unsere wunderschöne Welt dreht sich trotz Klimakatastrophe und Atombedrohung weiter und dazwischen fallen Sätze wie: „Du, Bernhard, wann ist eigentlich zum ersten Mal die RUTH verliehen worden?“ - „Frag Peter!“ – „Hab ich ja, der ist sich nicht sicher!“ – „Dann schau in die Liste!“ -  „Hab ich schon, aber damals waren die Anfänge doch fließend!“ Fließende Anfänge? Anfang dieses Jahrtausends ist der ehemalige und langjährige Folk(-förder)preis von einem  Weltmusikpreis abgelöst worden: Die RUTH  war geboren worden und bekam eine eigene Figur. Nicht so glänzend wie der „Oscar“, dafür aus Holz, individuell und nachhaltig. Anfangs waren die Kategorien noch nicht ganz klar, kristallisierten sich dann aber schnell heraus, sodass wir 2011 auf zehn Jahre RUTH blicken können.

 

Die Jury, wie letztes Jahr bestehend aus Achim Bergmann (Trikont Label Chef, RUTH Preisträger), Urna Chahar-Tughi (Mongolische Musikerin, Ruth-Preisträgerin), Torsten Hinger (Veranstalter NATO-Club Leipzig), Jiri Plocek (Folkmusiker und Hörfunkredakteur Brünn/Tschechien) und Petra Rieß (Musikwissenschaftlerin und Journalistin aus Hamburg, Vorsitzende), hat es sich wie immer nicht leicht gemacht. Das Ergebnis, so finden wir, kann sich sehen und vor allen Dingen hören lassen: 
Die RUTH für sein Lebenswerk bekommt Klaus der Geiger. Seit Jahrzehnten steht der studierte Musiker und ehemalige Stockhausen-Student in Latzhose und mit Geige auf der Straße unterwegs. Mit seinen oft spontan getexteten Gebrauchsliedern pflegt er hartnäckig, schräg und auf wunderbar konsequente Weise diese Urform der musikalischen und politischen Alltagskultur.
Die DEUTSCHE RUTH geht an den Weltenbummler Hubert von Goisern. Zuletzt war von Goisern auf der Donau unterwegs, hat den Strom aufwärts und abwärts bereist. Die aktuelle Doppel-CD „Mit Haut und Haar“ ist ein akustisches  Souvenir dieses Abenteuers. Diese Projekt ist einmalig, und es ist beeindruckend, wie es Hubert von Goisern immer wieder gelingt, seine alpinen „Roots“ mit denen fremder Länder und Menschen zu verbinden.
Die Globale RUTH geht an zwei Frauen, Aino Löwenmark und Hanmari Spiegel, aus Schweden und Südafrika. Gemeinsam sind sie Fjarill, leben in Hamburg und singen auf poetisch humoristische Weise über die Wasser, Winde, die kleinen Dinge, in denen soviel Raum für das Große steckt. Das hat die Jury überzeugt.
Für die mediale Verbreitung dieser bunten Mischung sorgt seit Jahren Hanni Bode. Sie ist Redakteurin beim Deutschlandradio Kultur, hat sich seit Jahrzehnten hartnäckig für die Weltmusik eingesetzt und sich dauerhaft für die „Roots“ und ihre Musiker im Radio stark gemacht. Das verdient einen Preis, da war sich die Jury einig, und deshalb geht die  besondere Expertise an die „Frau aus Berlin“.
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