RUTH im Jahre 2009

Es war trüber November, als sich die Ruth-Jury in Frankfurt/Oder traf, um die Preisträger des Jahres 2009 zu küren. Ein Hauch von TFF lag dennoch in der Luft. Am Juroren-Wochenende fand nämlich beiderseits des deutsch-polnischen Grenzflusses das Festival Transvocale statt, mit etlichen Rudolstadt-erprobten Gästen wie den Norwegern Bruvoll/Halvorsen, Dazkarieh aus Portugal und Achim Reichel. Der hatte 2007 die Deutsche Ruth errungen und war daraufhin prompt zum Juror berufen worden.
   Das Gremium tagte in derselben Besetzung wie im Jahr zuvor. Neben Reichel gehörten ihm an: Helmut Bürgel (Stimmen Festival und Burghof Lörrach), Christoph Dieckmann (DIE ZEIT; Vorsitzender), Bert Noglik (Musikwissenschaftler und Journalist aus Leipzig) und Fruzsina Szép (Musikexportbüro Budapest).
   Allerdings verlief die Wahl diesmal recht anders. Hatte man sich 2007 überraschend schnell geeinigt, standen die Sieger nun erst nach schwerem Ringen und peniblem Stimmenzählen fest. Die ermatteten Juroren glauben, würdige Ruth-Empfänger erwählt zu haben. Und hoffen zuversichtlich auf ein Preisträger-Konzert, das sich mit seinem Vorgänger messen kann. 2008, man erinnert sich, sang Bobo ihre Anverwandlungen deutscher Volkslieder, gefolgt von Embryos Ethno-Jazzrock. Im großen Finale betörten die euro-andalusischen Meditationen von Sarband.
   Diesmal geht die Deutsche Ruth an einen Dichtersänger, der zutiefst im bajuwarischen Sprach- und Lebensraum wurzelt: Hans Söllner. Dem anarchischen Herzensjamaikaner folgt ein Mann von der Elfenbeinküste: Aly Keita, Gewinner der Globalen Ruth, ist ein Virtuose auf dem Balafon, dazu ein vielfach erprobter Brückenbauer zwischen westafrikanischer Tradition, Jazz und artverwandten Künsten.
   Die Ruth für die Musikalische Expertise empfängt in diesem Jahr Günter Gretz. Der profunde Kenner afrikanischer Musik hat den sogenannten schwarzen Kontinent durchreist, seine Musiken gesammelt und als Kultur-Spediteur nach Westeuropa transportiert, als noch niemand von Weltmusik sprach.
   Die Ehren-Ruth 2009 für das musikalische Lebenswerk schließlich geht in doppelter Zuerkennung an Alan Bern und an Brave Old World. Bern ist ein Meister jiddischer Musik, der auch als Autor, Lehrer und Festivalleiter die Klezmer-Kultur weltweit verbreitet hat. Brave Old World, die Supergroup des Klezmer-Revivals, beseelen die vernichtete Welt des osteuropäischen Judentums. Dessen Musik spielen sie so zeitgenössisch wie im Kontext einer versunkenen Kultur.
   Die Jury gratuliert den Ruth-Gewinnern und sich selbst zu dieser Wahl. Glückwunsch auch dem Publikum des Preisträgerkonzerts. Wir glauben: Am Samstagabend ist der Hof der Heidecksburg the place to be.   

Christoph Dieckmann - Juryvorsitzender 2009

Die Preisträger 2009 sind:
Deutsche RUTH Hans Söllner und Bayaman Sissdem
Globale RUTH Aly Keita
Ehren-RUTH Alan Bern & Brave Old World - für das musikalische Lebenswerk
Ehren-RUTH Günther Gretz - für die besondere Expertise

 

Die Jury 2009

Christoph Dieckmann –Juryvorsitzender und freier Journalist,

Achim Reichel – Musiker aus Hamburg und RUTH Preisträger 2007

Bert Noglik – Rundfunkjournalist,

Fruzsina Szép – Music Export Hungary,

Helmut Bürgel – Leiter des Stimmen–Festival in Lörrach